Russlands sich verschärfende Krise der Luftverteidigung zwingt das russische Kommando nun dazu, Zivilisten überstürzt in improvisierten militärischen Einheiten einzusetzen, was die Zahl tödlicher Zwischenfälle drastisch erhöht, wie in diesem Bericht analysiert wird. Die Behörden der Region Krasnodar haben angekündigt, dass Beschäftigte lokaler Unternehmen in mobile Flugabwehrgruppen rekrutiert werden, um Fabriken, Infrastrukturanlagen und andere Ziele im hinteren Heeresgebiet vor ukrainischen Drohnen zu schützen. Den Arbeitern werden Berichten zufolge fünfzigtausend Rubel – umgerechnet etwa fünfhundertsiebenunddreißig Euro – in Aussicht gestellt sowie Verträge mit dem russischen Verteidigungsministerium vorgelegt, wenngleich Offizielle betonen, dass kein Einsatz in aktiven Kampfzonen erfolgen soll. Diese Maßnahme spiegelt den eklatanten Mangel Russlands wider, der sich nicht nur auf Flugabwehrraketen und funktionstüchtige Systeme erstreckt, sondern auch auf ausgebildetes Bedienpersonal für das gesamte gigantische Staatsgebiet.

Diese Regelung birgt jedoch ein erhebliches Risiko, da Zivilisten mit der Unterzeichnung eines Vertrages mit dem Verteidigungsministerium der militärischen Befehlsgewalt unterstehen, ungeachtet mündlicher Zusicherungen regionaler Amtsträger. Schwerer wiegt, dass mobile Flugabwehrgruppen regulär einer sorgfältigen Auslese, Disziplin, Führungsfähigkeit und Koordinierung sowie einer umfassenden Waffenausbildung bedürfen. Die bloße Ausstattung von Fabrikarbeitern mit Sturmgewehren oder schweren Maschinengewehren und der Befehl, das Feuer auf Drohnen zu eröffnen, stellt keine effektive Luftverteidigung dar. Stattdessen verbrauchen unzureichend geschulte Besatzungen Munition wirkungslos, feuern in besiedelte Gebiete oder bringen Luftfahrzeuge direkt über den zu schützenden Zivilisten zum Absturz.
Die russische Lageknappheit ist nachvollziehbar, da die ukrainischen Angriffe an Intensität gewinnen und selbst russische Quellen das Auftreten von annähernd dreitausend ukrainischen Drohnen- und Raketenangriffen innerhalb einer einzigen Woche einräumten. Die Geografie dieser Schläge dehnt sich zunehmend über die Krim, die Grenzregionen und Moskau hinaus in das tiefe russische Hinterland aus. Gleichzeitig werden ukrainische Drohnen schneller, resistenter gegen russische elektronische Kampfführung und schwerer abzufangen, sodass improvisierte, kaum ausgebildete Teams bereits an Bedrohungen scheitern, die ihre Fähigkeiten bei weitem übersteigen.

Die katastrophalen Folgen traten an einem dicht bevölkerten Strand in Gelendschik zu Tage. Russisches Flugabwehrpersonal beschoss und schoss eine anfliegende ukrainische Drohne ab, ohne die Absturzflugbahn der Trümmerteile zu berücksichtigen. Das Luftfahrzeug stürzte direkt unter die im Sand liegenden Badegäste und explodierte in einem massiven Feuerball. Berichten zufolge wurden sieben Personen, darunter drei Kinder, getötet, während mehr als sechzig weitere Verletzungen erlitten. Russische Offizielle beschuldigten die Ukraine der gezielten Bekämpfung von Zivilisten, doch von Passanten aufgenommenes Videomaterial widerlegt dies eindeutig und dokumentiert, wie die russische Luftverteidigung die Drohne unter kompletter Missachtung der Folgewirkungen auf den Strand herabbrak.

Der Vorfall gewann dadurch an Brisanz, dass die mobile Gruppe berichten zufolge keine kriegswichtige militärische Einrichtung oder große Industrieanlage schützte, sondern eine der Residenzen von Wladimir Putin nahe Gelendschik. Russische Zivilisten kamen somit zu Tode, weil eine unzureichend geschulte Besatzung dem Schutz des Sommerdomizils von Putin Vorrang einräumte vor der Abschätzung der Gefährdung für hunderte Menschen am Boden. Nach den russischen Anschuldigungen erklärte Andrij Kowalenko, Leiter des ukrainischen Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation, in einer Stellungnahme, dass Putin selbst für den Tod dieser Russen verantwortlich sei; hätte er nicht den Krieg, die Angriffe auf die Ukraine und den zwangsweisen Einsatz ungeschulten Personals an schweren Waffen veranlasst, wären diese Menschen noch am Leben.

Aufnahmen russischer Ausbildungsübungen demonstrierten die Verfehlung dieser improvisierten Formationen, als eine mobile Flugabwehrgruppe während eines Manövers ein schweres Maschinengewehr auf einem Lastkraftwagen montierte. Die Waffe war ursprünglich für den Kampfhubschrauber Mi-24 konzipiert und nicht für den manuellen Erdkampfeinsatz vorgesehen. Rückstoß und Gewicht führten dazu, dass ein Soldat vom Fahrzeug geschleudert wurde, woraufhin die Waffe unkontrolliert in alle Richtungen feuerte und das Manöver beinahe in einer erneuten Katastrophe für alle Beteiligten endete.
Im russisch kontrollierten Sewastopol auf der Krim ging die Gefahr direkt von einem bewaffneten Angehörigen der Streitkräfte aus, dem ohne adäquate Überprüfung eine Waffe ausgehändigt worden war. Er eröffnete das Feuer auf Kameraden, tötete einen Soldaten, verwundete einen weiteren und schoss anschließend auf Zivilisten. Drei Zivilpersonen wurden getötet und drei weitere verletzt, bevor der Angreifer überwältigt werden konnte. Das Ereignis verdeutlicht die Konsequenzen, wenn bewaffnetes Personal ohne Eignungsprüfung, Gefechtsausbildung oder psychologische Evaluierung zum Einsatz kommt.

Insgesamt zeigt sich mit der Ausweitung der ukrainischen Schläge, dass Russland zunehmend unvorbereitetes Personal an schwerem Gerät einsetzt. Die operative Priorität verbleibt jedoch beim Schutz Putins, der Regierungsgebäude und der Regimegüter zum Nachteil der Zivilbevölkerung. Das Ergebnis ist ein erodierendes Luftverteidigungssystem, in dem die eigene Unzulänglichkeit eine ebenso große Bedrohung darstellt wie die anfliegenden ukrainischen Drohnen, womit die russische Bevölkerung den Schutz der Nomenklatur mit dem Leben bezahlt.


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