Heute kommen die wiegendsten Nachrichten aus der Russischen Föderation.
Russische Militärexperten äußerten offen, dass mobilisierte russische Soldaten ohne vorherige Ausbildung oder adäquate Ausrüstung an die Front geschickt würden. Ein namhafter russischer Kriegsberichterstatter rief mobilisierungsfähige Männer dazu auf, sich umgehend Grundkenntnisse der Gefechtsfelderstversorgung, Handwaffenhandhabung und Drohnensteuerung anzueignen. Er warnte davor, den offiziellen Verlautbarungen Glauben zu schenken, wonach keine zweite Mobilisierungswelle bevorstehe. Angesichts der eklatanten organisatorischen Mängel bei der Teilmobilmachung im Jahr 2022 könne den Streitkräften hinsichtlich Ausbildung und Ausrüstung nicht vertraut werden; requirierbare Bürger müssten diese Vorbereitungen in Eigenregie treffen. Seine Stellungnahme schloss mit dem Hinweis, dass unvorbereitete Verbände gegen die ukrainischen Streitkräfte nur minimale Überlebenschancen hätten – eine deutliche Warnung vor drohenden massiven Verlusten.

Diese Einschätzung löste in der Bevölkerung erhebliche Unruhe aus. Im Vorfeld der erwarteten Mobilmachung zeichnet sich ein massiver Exodus wehrfähiger russischer Männer in Richtung Belarus ab. Eine präzise Erfassung der Zahlen erweist sich als schwierig, da viele Betroffene verdeckt ausreisen oder Urlaubsreisen vortäuschen, um Repressalien gegen Angehörige oder eine Festnahme im Ausland zu vermeiden. Beiträge in den sozialen Netzwerken, Interviews sowie Angaben von Fluchthilfeorganisationen belegen jedoch eine signifikante Zunahme der Ausreisen. Eine dieser Organisationen gab kürzlich bekannt, dass sich die Zahl der von ihr unterstützten Personen gegenüber Mai mehr als verachtfacht habe. Neben der Furcht vor der Einberufung treiben auch die zunehmende innenpolitische Instabilität sowie die anhaltende Treibstoffkrise die Menschen aus dem Land. Hinzu kommt die Unzufriedenheit vieler junger Bürger mit den fortschreitenden Internetrestriktionen und dem Mangel an Meinungsfreiheit.

Bereits im Mai, vor der jüngsten Verachtfachung der Fluchtzahlen, war in Belarus aufgrund des anhaltenden Zustroms eine Steigerung der Immobiliennachfrage um zehn bis fünfzehn Prozent zu verzeichnen. Schon zu Jahresbeginn deutete sich eine Stagnation der russischen Offensivoperationen in der Ukraine an. Die hohen personellen Verluste und der kontinuierliche Rückgang bei den Rekrutierungszahlen nährten frühzeitig Spekulationen über eine weitere Mobilisierungswelle im späteren Jahresverlauf. Mit dem näherrückenden Termin der Ankündigung verstärkt sich die Fluchtbewegung weiter.

Der Abfluss mobilisierungsfähiger Bürger stellt die russische Führung vor gravierende Probleme. Er erschwert die praktische Durchführung der Mobilmachung durch die drastische Verkleinerung des Rekrutierungspotenzials. Zudem verschärft die Abwanderung den ohnehin angespannten Fachkräftemangel, da auch Nicht-Mobilisierte aus Präventionsgründen das Land verlassen haben und der regulären Wirtschaft fehlen. Als Gegenmaßnahme hat Moskau die Ausreisebestimmungen für Wehrfähige verschärft; nach Zustellung des Einberufungsbefehls ist eine Ausreise untersagt. Zudem wurde die belarussische Führung veranlasst, gesetzliche Regelungen zu erlassen, die allen mobilisierungsfähigen russischen Staatsbürgern die Ausreise aus Belarus pauschal untersagen.

Nach Beginn der Mobilmachung ist mit intensiven Fahndungsmaßnahmen russischer Sicherheitskräfte in Belarus zu rechnen, um Wehrpflichtige aufzuspüren und den Streitkräften zuzuführen. Dies könnte den Rekrutierungsdruck innerhalb Russlands dämpfen und das gesellschaftliche Konfliktpotenzial dort leicht verringern. Allerdings verlagern sich die Spannungen dadurch nach Belarus. Der belarussische Machthaber Lukaschenko dürfte sich kooperationsbereit zeigen, um Putins Truppenbedarf zu decken – solange die russischen Streitkräfte auf diesem Wege ihren Personalbedarf decken können, bleibt Belarus der direkte Kriegseintritt und der Einsatz eigener Soldaten erspart.
Die Fluchtbewegung beschränkt sich jedoch nicht auf Belarus. Aus öffentlich zugänglichen Flugdaten geht hervor, dass kontinuierlich mindestens zehn Flüge täglich von St. Petersburg und Moskau in Richtung Türkei starten. Weitere Hauptzieländer sind Kasachstan und Georgien. Der Zustrom nach Serbien wurde hingegen durch ein Abkommen zwischen Belgrad und der EU eingeschränkt, welches die Erteilung von Visa an russische Staatsbürger begrenzt.

Vor dem Hintergrund der für diesen Sonntag, den 20. September, angesetzten Parlamentswahlen in der Russischen Föderation vollzieht sich die Flucht mobilisierungsfähiger Bürger in großem Umfang. Dass selbst hochrangige russische Militärkorrespondenten davor warnen, sich auf staatliche oder militärische Strukturen bei Ausbildung und Ausrüstung für die extremen Bedingungen an der ukrainischen Front zu verlassen, verleiht der Entwicklung erhebliche Dynamik. Angesichts dieser eindringlichen Warnungen aus von ihnen als vertrauenswürdig eingestuften Quellen sehen viele Betroffene keinen Grund zu verbleiben und ihr Leben in einem Krieg zu riskieren, der nicht ihren Interessen entspricht.


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