Russland hat nicht damit gerechnet: NATO stärkt die Ostflanke gegen Moskaus Druck

Jul 9, 2026
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In dieser Analyse wird untersucht, wie die Ukraine die europäische Kriegsdoktrin verändert.

Nachdem die NATO ukrainische Soldaten ausgebildet hat, lädt sie die Ukraine nun wiederholt ein, an ihren Übungen als OPFOR teilzunehmen. Die Rollenverteilung zwischen Lehrkräften und Lernenden unterscheidet sich heute jedoch grundlegend von der Situation zu Beginn der Invasion der Ukraine.

Vor Kurzem hat die NATO die Ukraine erneut als OPFOR angefordert, und die Ergebnisse haben die Erwartungen abermals übertroffen. Der Einsatz als OPFOR bedeutet die Simulation gegnerischer Streitkräfte, um in diesem Fall NATO-Verbände unter realistischen Gefechtsbedingungen zu testen. Während einer Seeübung in Portugal setzten sich ukrainisch geführte Teams mit den im eigenen Land produzierten Marinedrohnen des Typs Magura V5 in allen fünf Gefechten gegen NATO-Konvois durch, wobei es ihnen wiederholt gelang, sich unbemerkt anzunähern und Treffer auf einer NATO-Fregatte zu erzielen. Dies führte den NATO-Befehlshabern vor Augen, dass selbst gut ausgerüstete Schiffe mit moderner Sensorik Schwierigkeiten haben, kleine, schnelle und unauffällige unbemannte Systeme aufzuklären – eine Verwundbarkeit, die vor dem Einsatz der ukrainischen Operateure nicht in vollem Umfang erkannt worden war. An Land zeigten ukrainische Drohnenteams eine ähnliche Fähigkeit, die Operationsplanung der NATO zu durchkreuzen: Eine einzige Einheit schaltete während eines Trainingsszenarios an einem einzigen Tag zwei Bataillone der Allianz aus und demonstrierte damit eindringlich, was erfahrene Drohnenoperateure leisten können. Das gleiche Muster zeigte sich bei einer Übung auf Gotland, wo das Szenario mehrmals neu gestartet werden musste, da die ukrainischen Operateure in der Simulation so viele Fahrzeuge und personelle Kräfte vernichteten, dass eine Fortführung militärisch nicht mehr sinnvoll war.

Ergebnisse wie diese erklären, warum die NATO die ukrainische Beteiligung an zukünftigen Übungen fortlaufend einfordert, wobei neue OPFOR-Einsätze bereits in Vorbereitung sind. Die Tatsache, dass die NATO die Ukraine kontinuierlich als potenziellen Gegner heranzieht, zeugt von einer tiefgreifenden institutionellen Evolution innerhalb der Allianz. Diese ordnet ihre Ausbildung und Doktrin derzeit aktiv neu, um ihre Streitkräfte für eine drohnenzentrierte Kriegsführung zu modernisieren. Obwohl die Ukraine anfangs die Rolle des Lernenden einnahm, der die westliche Doktrin aufnahm und an die eigenen Erfordernisse im Kampf gegen Russland anpasste, erkennt die NATO nun an, dass sie erheblich von den kampferprobten ukrainischen Streitkräften lernen kann. Tatsächlich hat die Ukraine den drohnenintensivsten Krieg der modernen Geschichte geführt und führt ihn weiterhin, wobei sie in Jahren voller Entbehrungen Erfahrungen gesammelt und sich schneller angepasst hat, als es jedem westlichen Militär in Friedenszeiten möglich wäre. Dieses wachsende Vertrauen auf ukrainische Expertise führt folgerichtig zum nächsten Schritt, da die Allianz zunehmend auf ukrainische Ausbilder selbst zurückgreift, um diese Methoden direkt an das NATO-Personal zu vermitteln.

Diese Rollenumkehr veranlasste die Ukraine dazu, keine Soldaten mehr zur Grundausbildung ins Ausland zu entsenden, da es westlichen Ausbildern an moderner Gefechtserfahrung mangelt. Stattdessen übernehmen Ukrainer die Ausbildung, darunter viele im Krieg verwundete Kampfveteranen, die weiterhin ihrem Land dienen wollen. Ihre Erfahrung besitzt ein Gewicht, das keine Ausbildungsumgebung in Friedenszeiten reproduzieren kann, da sie das Verhalten von Drohnen unter realen Wetterbedingungen, die Signalverzerrung durch elektronische Störgeräte und das Improvisationsvermögen von Fronteinheiten genau kennen. Vor allem aber haben sie diese Fähigkeiten unter Bedingungen einer extremen feindlichen Drohnendichte entwickelt – ein Faktor, der sich an keinem anderen Ort simulieren lässt. Diese Veteranen bilden nun sowohl eigene Rekruten als auch NATO-Personal mit großem Erfolg aus, wobei britische Einheiten offen einräumen, wie sehr sie von den aktuellen Frontkenntnissen der Ukrainer profitieren. Infolgedessen hat ein britisches Regiment bereits seine Ausbildungsstrukturen neu organisiert, sodass jeder Soldat nach ukrainischem Vorbild zum Drohnenoperateur ausgebildet wird – eine Anpassung, die die Schwachstellen im Hinblick auf eine potenzielle Konfrontation mit Russland schrittweise schließt.

Diese Entwicklung zwingt Russland, seine Annahmen über die Einsatzbereitschaft der NATO zu überdenken, da die russischen Erfahrungen in der Ukraine dem Land ebenfalls einen Vorteil verschafft haben. Russland hatte nämlich erwartet, dass sein Vorsprung an Erfahrung in der Drohnenkriegsführung gegenüber der NATO die Nachteile bei Größe und Technologie teilweise kompensieren könnte. Stattdessen sieht es sich nun einer NATO gegenüber, die sich unter ukrainischer Anleitung aktiv auf den Drohnenkrieg vorbereitet. Für Russland stellt dies ein ernstes strategisches Problem dar, da der einzige kompensatorische Vorteil, auf den es im Vergleich zur NATO setzte, zunehmend erodiert.

Insgesamt markiert die Entscheidung der NATO, von der Ukraine zu lernen, eine Verschiebung der Machtkonstellation und einen weiteren strategischen Rückschlag für Russland, dessen Vorsprung an Drohnenerfahrung im Laufe der Zeit schwinden wird. Die Allianz bereitet sich auf zukünftige Kriege vor, indem sie die Methoden der einzigen Armee übernimmt, die eine umfassende Drohnenkriegsführung gegen Russland selbst führt. Währenddessen wird die Ukraine zu einem immer stärker integrierten und unverzichtbaren Partner für die NATO. Da die Verwundbarkeit der NATO in der Drohnenkriegsführung von Jahr zu Jahr abnimmt, muss Russland seine Strategie und Planung für eine hypothetische Konfrontation neu ausrichten, da es sich nicht länger auf diese Fähigkeitslücke verlassen kann.

05:22

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