In diesem Video analysieren wir den ukrainischen amphibischen Angriff auf die Kinburn-Nehrung.
Hier gestalten die ukrainischen Streitkräfte das operative Umfeld durch den kontinuierlichen Einsatz von unbemannten Systemen nachhaltig um, indem sie die russischen Stellungen entlang der Landzungen und der Küstenlinie im Südwesten der Ukraine unter permanenten Druck setzen. Diese ausgeweitete Kampagne sorgt für erhebliche Unruhe in der russischen Führung, die zunehmend befürchtet, dass diese ukrainischen Operationen die logischen Voraussetzungen für ein weitaus größeres Offensivvorhaben schaffen könnten.

Jüngst veröffentlichtes ukrainisches Bildmaterial untermauert diese russischen Befürchtungen: Eine ukrainische Bayraktar-Drohne zerstörte ein russisches Boot, das den Transport von Personal oder Nachschub zur Tendra-Nehrung versuchte. Eine weitere Sequenz zeigt ein russisches Schnellboot, das vergeblich versuchte, seine hohe Geschwindigkeit auszunutzen, und noch vor Erreichen des Ufers neutralisiert wurde. Während die Bayraktar in den vergangenen zwei Jahren aufgrund der Dichte der russischen Luftverteidigung primär als Aufklärungsplattform genutzt wurde, haben die systematischen ukrainischen Angriffe auf russische Radarstationen und FlaK-Systeme zunehmend Lücken gerissen. Dies erlaubt es größeren Drohnensystemen, wieder deutlich näher an der Frontlinie zu operieren.

Gleichzeitig setzte die 40. ukrainische Marineinfanteriebrigade unbemannte Überwasserfahrzeuge (USV) vom Typ Barracuda ein, die als mobile Drohnenträger fungieren. Diese ermöglichten den Transport von FPV- und schweren Bomberdrohnen, mit denen Beobachtungsposten, Munitionsdepots und Logistikstellungen bekämpft wurden, wie ukrainische Aufnahmen bestätigen. Andere Barracuda-USVs wurden mit Flugabwehrraketen zur Eigensicherung gesichtet, was die russischen Fähigkeiten zur Bekämpfung dieser Systeme weiter erodiert. In Verbindung mit der lückenlosen ukrainischen Aufklärung führen diese Operationen dazu, dass die russischen Stellungen entlang der Tendra-Nehrung und der angrenzenden Küste zunehmend unhaltbar werden.

Dieser anhaltende operative Druck veranlasst zahlreiche russische Militäranalysten zu der Annahme, dass die Ukraine ein weitaus ambitionierteres Vorhaben vorbereitet als bloße Drohnenangriffe zur Abnutzung von Personal und Schwächung der russischen Dislozierung. In Fachkreisen wird zunehmend spekuliert, dass ukrainische Spezialeinheiten Anlandungsoperationen im Umfeld der Kinburn-Halbinsel proben. Als Indikatoren werden Bootsexerzitien und Nebeleinsatz-Trainings nahe dem Südlichen Bug angeführt, der in den Dnepr-Bug-Liman mündet. Diesen russischen Lagebeurteilungen zufolge haben sich in dieser operativen Richtung mehr als 2.500 ukrainische Soldaten aus verschiedenen Verbänden, die dem 30. Marineinfanteriekorps unterstehen, zusammengezogen. Unterstützt werden sie angeblich von 46 Booten, über 100 Schlauchbooten, mindestens neun Marinedrohnen sowie zusätzlichen gepanzerten Fahrzeugen und Artilleriesystemen.

Aus Sorge, diese Vorbereitungen könnten einer regulären amphibischen Operation vorausgehen, führten die russischen Streitkräfte einen Schlag gegen einen mutmaßlichen ukrainischen Bereitstellungsraum am Südlichen Bug durch. Dabei wurden fünf Drohnen des Typs Geran eingesetzt, um Gebäude und Freiflächen auf dem Basisgelände zu treffen. Russische Analysten betonten, dieser Angriff habe das Ziel verfolgt, die ukrainische Operation noch in der Initialphase zu stören, und behaupteten, dabei seien auch Boote und technisches Gerät beschädigt worden – obschon hierfür bislang jegliche visuelle Bestätigung fehlt.
Nach russischen Einschätzungen würde sich der ukrainische Plan für eine amphibische Operation en detail in mehreren koordinierten Phasen vollziehen. Demnach würde die Ukraine zunächst eine begrenzte Ablenkungsanlandung nahe Pokrowske mit relativ geringen Kräften durchführen, um die russische Verteidigung aufzuklären und einen temporären Brückenkopf zu etablieren. Die Feuerunterstützung soll dabei durch raketenbestückte Marinedrohnen und FPV-Drohnen erfolgen, die sowohl von Landungsbooten als auch von Stellungen auf dem Festland aus operieren. Sobald die russischen Verteidigungskräfte gebunden sind, würde eine größere Krafteinheit von bis zu 800 Soldaten an einem anderen Küstenabschnitt anlanden. Ihr Ziel wäre es, umliegende Ortschaften zu isolieren und anschließend auf die administrative Grenze zwischen den Oblasten Cherson und Mykolajiw vorzustoßen. Gleichzeitig könnten Scheinaktivitäten an weiteren Küstenabschnitten die russische Aufmerksamkeit binden, während spezialisierte ukrainische USVs der Sargan-Klasse die minengesperrten Strandabschnitte räumen.

Was diese russischen Befürchtungen heute weitaus plausibler erscheinen lässt als in den Vorjahren, ist das sich verschiebende Kräfteverhältnis im Bereich der Fähigkeiten. Führende russische Militärbeobachter argumentieren, dass ihre Logistikketten im gesamten russisch kontrollierten Süden der Ukraine unter immensem ukrainischen Druck stehen, während die relativ kurze Distanz von dreieinhalb Kilometern zwischen dem ukrainisch kontrollierten Otschakiw und der Kinburn-Halbinsel amphibische Operationen begünstigt. Zudem verfüge die Ukraine mittlerweile über eine weitaus größere Anzahl an See- und Luftdrohnen. Diese Modifikationen seien nunmehr in der Lage, Aufklärung, Feuerunterstützung und Präzisionsschläge zu leisten sowie die logistische Versorgung und den Verwundetentransport während einer solchen Operation sicherzustellen. Sie fügen hinzu, dass parallel dazu die ausgeweiteten ukrainischen Drohnenangriffe mittlerer Reichweite fortlaufend Treibstoffdepots, Logistikknotenpunkte und die Infrastruktur im russischen Hinterland zerschlagen, was die Fähigkeit der russischen Armee zur rechtzeitigen und adäquaten Reaktion untergräbt.

Insgesamt ist der psychologische Effekt der ukrainischen Drohnenkampagne bereits unübersehbar, selbst wenn sich die russischen Befürchtungen nicht in vollem Umfang materialisieren sollten. Er hat die russische Führung in eine defensive Haltung gezwungen und die Befürchtung genährt, dass jeder zerstörte Beobachtungsposten, jedes Nachschubboot und jede Radarstation lediglich der operativen Vorbereitung eines künftigen Brückenkopfs dient. Sollte die Ukraine diesen Kurs beibehalten, wird jede isolierte russische Einheit an der Küstenlinie mit massiven Problemen bei der Zuführung von Verstärkungen und Nachschub konfrontiert sein. Auch ohne eine unmittelbare Anlandung ist es der Ukraine somit bereits gelungen, Russland zur Bindung erheblicher Aufmerksamkeits- und Materialressourcen für die Abwehr eines solchen Szenarios zu zwingen.


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