Sieben bewaffnete Gruppen vereinen sich, um Äthiopiens Premierminister aus dem Amt zu drängen

Oct 3, 2026
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Am dreiundzwanzigsten September übernahmen tigrayische Streitkräfte die Kontrolle über die Flughäfen in Tigray und eröffneten das Feuer auf Stellungen der Streitkräfte des Bundes in den benachbarten Regionen Afar und Amhara. Gefechte wurden aus den Räumen Abala und Erebti in Afar sowie aus dem Umfeld von Lalibela in Amhara gemeldet. Ethiopian Airlines setzte den Flugbetrieb zu drei Flugplätzen in Tigray aufgrund der Intensivierung der Kampfhandlungen aus. Die Offensive erfolgte nur wenige Tage nachdem sieben bewaffnete Gruppierungen eine Allianz mit dem Ziel angekündigt hatten, die Regierung von Premierminister Abiy Ahmed zu stürzen. Bündnispartner dieser Koalition sind die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die Amhara-Miliz Fano sowie die Oromo-Befreiungsarmee (OLA).

Während der Fano-Verband und die TPLF im Tigray-Krieg auf entgegengesetzten Seiten kämpften, operierte die OLA unabhängig gegen die Bundesregierung und unterhielt gleichzeitig politische Kontakte zur TPLF. Die strategische Relevanz dieser Entwicklung liegt darin, dass die Gruppen nicht mehr isoliert an getrennten Fronten agieren, sondern eine operative Konvergenz gegen einen gemeinsamen Hauptgegner in Gestalt der Regierung Abiy Ahmeds anstreben.

Diese drei Akteure verfolgten vor dem Zusammenschluss zur neuen Allianz grundsätzlich unterschiedliche militärische Pfade. Ihre jetzige Kooperation markiert eine drastische Umkehrung der Konstellationen, die den Tigray-Krieg des Jahres zweitausendzweiundzwanzig prägten. Damals bekämpfte die TPLF die Bundesregierung, während Fano an der Seite der Streitkräfte des Bundes und eritreischer Einheiten gegen die tigrayischen Verbände vorging. Die OLA war kein Hauptakteur dieses Konflikts, führt jedoch bereits seit zweitausendachtzehn einen eigenständigen Guerillakrieg gegen Addis Abeba in Oromia.

Gegenwärtig betrachten alle drei Akteure die Regierung Abiy als ihren primären Gegner, wenngleich die gemeinsame Gegnerschaft nicht bedeutet, dass sie bereits als einheitlicher militärischer Verband agieren. Diese Entwicklungsrichtung stellt Addis Abeba vor erhebliche operative Herausforderungen, da die Verbände in geografisch disparaten Landesteilen operieren – von Tigray und Amhara im Norden bis nach Oromia in Zentraläthiopien. Sollte sich die Kooperation zu einer koordinierten militärischen Kaskade verdichten, wäre die äthiopische Armee gezwungen, Streitkräfte zeitgleich in mehreren Regionen einzusetzen, was zu einer kritischen Zersplitterung der eigenen Kräfte auf mehrere Kriegsschauplätze führen würde.

Die Ablehnung der Regierung Abiy speist sich aus unterschiedlichen grievance-Faktoren, mündet jedoch in einem identischen Feindbild. Die TPLF wirft Abiy vor, das Friedensabkommen von Pretoria aus dem Jahr zweitausendzweiundzwanzig nicht vollständig umzusetzen und Territorialdispute sowie die Rückkehr vertriebener Tigrayer zu verschleppen. Die Fano-Insurgenz gewann an Dynamik, nachdem Addis Abeba die Auflösung der regionalen Spezialkräfte und deren Eingliederung in die nationale Sicherheitsarchitektur anordnete – ein Schritt, den Amhara-Akteure als Schwächung ihrer regionalen Selbstverteidigungsfähigkeit ablehnten. Die Forderungen der OLA wurzeln in einem historischen Autonomiekonflikt um die politische Macht der Oromo; die Gruppe verlangt erweiterte Selbstverwaltungsrechte und kritisiert, dass die Oromo trotz Abiys eigener Oromo-Herkunft weiterhin unzureichenden politischen Einfluss ausüben. Allerdings könnten diese divergenten politischen Zielsetzungen die Stabilität des Bündnisses begrenzen, da ein taktisches Zusammenwirken gegen Abiy keineswegs einen Konsens über die staatsorganisatorische Ordnung Äthiopiens nach einem Regierungswechsel beinhaltet.

Eine potenzielle Verstrickung Eritreas erhöht das Risiko eines großflächigen Regionalkonflikts erheblich. Während des Tigray-Krieges war Präsident Isaias Afwerki ein enger Verbündeter Abiy Ahmeds, und eritreische Truppen kämpften an der Seite äthiopischer Verbände gegen die TPLF. Diese Achse ist inzwischen tiefgreifend zerrüttet. Äthiopien beschuldigt Asmara nunmehr der Unterstützung antigouvernementaler Milizen, was Eritrea bestreitet. Der Konflikt steht zudem im Zusammenhang mit Äthiopiens Bestrebungen nach einem souveränen Zugang zum Roten Meer. Abiy hat wiederholt Anspruch auf einen Seehafen – darunter Assab unter eritreischer Souveränität – erhoben. Vor dem Hintergrund der Verschlechterung der bilateralen Beziehungen stuft Addis Abeba Eritrea zunehmend als Sicherheitsrisiko statt als Partner ein. Sollte Eritrea beginnen, das Anti-Regierungs-Bündnis offen mit Logistik und Waffen zu versorgen, könnte der Konflikt weit über den Rahmen inneräthiopischer Insurgien hinaus- und in eine regionale Eskalation übergehen.

In der Gesamtschau liegt die größte strategische Stärke des Bündnisses in seiner überregionalen Reichweite, doch hängt sein Fortbestehen davon ab, ob die ehemaligen Gegner ein Wiederaufbrechen historischer Konfliktlinien verhindern können. Das gemeinsame Ziel eines Sturzes der Regierung Abiy mag kurzfristige Synergien stiften, schafft jedoch weder eine integrierte Befehlsstruktur noch territoriales Einvernehmen oder ein tragfähiges Konzept für die politische Ordnung nach einem Machtwechsel. Sollten die internen Diskrepanzen wieder aufbrechen, könnte Abiy die Gruppen isolieren und einzeln bekämpfen; eine erfolgreiche operative Koordination hingegen würde die Regierung auf breiter Front unter militärischen Druck setzen. Eritreische Schützenhilfe könnte diese Koordination zwar stärken, würde aber gleichzeitig die Gefahr bergen, dass sich der inneräthiopische Machtkampf zu einem erneuten zwischenstaatlichen Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea ausweitet.

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