Das von der Ukraine neu entwickelte Kaban-System ermöglicht die Umrüstung herkömmlicher Zivilfahrzeuge und militärischer Radfahrzeuge in ferngesteuerte unbemannte Bodensysteme. Das von der Drone Fight Group entwickelte System lässt sich ohne gravierende bauliche Veränderungen auf unterschiedlichsten Plattformen installieren, von zivilen PKW bis hin zu Militärfahrzeugen. Dies erlaubt es, das umgerüstete Fahrzeug je nach Einsatzbedarf wie gewohnt manuell zu steuern oder über Kaban teleoperiert zu führen. Die Entwickler haben Kaban bereits erfolgreich in den einsatzerprobten US-amerikanischen Humvee integriert und damit demonstriert, dass die Ukraine reguläre Militärfahrzeuge aus ihrem Bestand in ferngesteuerte Systeme umwandeln kann, ohne völlig neue Plattformen konstruieren zu müssen. Dies verkürzt den Weg bis zum operativen Einsatz erheblich, da die Ukraine vorhandene Fahrzeuge aufrüsten kann, anstatt auf die Fertigung speziell entwickelter Roboterfahrzeuge zu warten.

Der unmittelbare Vorteil besteht darin, dass diese umgerüsteten Fahrzeuge gefährliche Fronteinsätze ausführen können, ohne dass ukrainische Soldaten direkt in die bedrohten Zonen fahren müssen. Die Drone Fight Group hat Kaban für Aufgaben wie die Verwundetenevakuierung, die Versorgung von Frontstellungen und die Gefechtsaufklärung konzipiert. So kann das Fahrzeug risikoreiche Aufträge ausführen, während der Operator in sicherer Entfernung von der Frontlinie verbleibt. Dies ist besonders wertvoll auf Straßen, die unter ständiger Bedrohung durch Artillerie, Minen und Drohnen stehen, auf denen konventionelle Fahrzeuge jedoch weiterhin regelmäßig verkehren müssen und deren Fahrer bei jeder Fahrt direktem Risiko ausgesetzt sind. Damit Kaban diese Aufgaben übernehmen kann, verfügt der Operator aus der Distanz über dieselbe grundlegende Fahrzeugsteuerung wie ein Fahrer im Innenraum.

Zur Steuerung von Kaban erhält der Operator aus einer abgelegenen Position direkten Zugriff sowohl auf die Fahrbewegungen als auch auf zahlreiche Bordfunktionen des Fahrzeugs. Live-Kamerastreams liefern die für die Fahrt erforderlichen visuellen Informationen, während eine digitale Karte dem Operator die Routenplanung, Positionsverfolgung und Orientierung im Gelände ermöglicht. Die Hauptverbindung zwischen Fahrzeug und Operator verläuft über Starlink; analoge Videoübertragung und Funksteuerung dienen als redundante Ausfallkanäle zur Überwachung und Lenkung, falls die Primärverbindung gestört wird. Bei einem vollständigen Abriss der Kommunikation bringt Kaban das Fahrzeug automatisch zum Stillstand, wodurch das Risiko von Kollisionen oder der Fahrt in unsichere Bereiche minimiert wird.

Das System kann zudem Daten des Bordcomputers übermitteln und stellt eine bidirektionale Audioverbindung bereit, die dem Operator während Evakuierungs- oder Nachschubmissionen die Sprachkommunikation mit Soldaten im oder am Fahrzeug ermöglicht. Je nach Anforderungsprofil lässt sich Kaban mit zusätzlicher Ausrüstung wie Wärmebildkameras, Netzwerfern und Drohnenstartplattformen ausstatten, während auch Scheinwerfer und Infrarot-Ausleuchtung aus der Ferne gesteuert werden können.

Kaban befindet sich nach dem Abschluss von Erprobungen und mehreren erfolgreichen Gefechtseinsätzen bereits unter realen Gefechtsbedingungen in der Ukraine im Einsatz. Die Drone Fight Group hat drei mit dem System ausgestattete Humvees an das 3. Armeekorps, das 429. Selbstständige Regiment für unbemannte Systeme „Achilles“ und die 49. Brigade übergeben. Dieser Zulauf erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ukraine den Einsatz unbemannter Bodensysteme an der gesamten Front massiv ausweitet. Die ukrainische Landroboterflotte absolvierte allein im Juni 16 676 Logistik- und Evakuierungseinsätze, was mehr als das Doppelte des im Januar verzeichneten Monatswerts entspricht. Das Feedback der Kaban nutzenden Truppenteile wird direkt an die Drone Fight Group rückgekoppelt, sodass im Realeinsatz aufgedeckte Schwachstellen behoben und spätere Versionen an die Frontbedingungen der Soldaten angepasst werden können.

Insgesamt bietet Kaban der Ukraine eine direkte Möglichkeit, Soldaten aus besonders gefährlichen Transportmissionen herauszuhalten und gleichzeitig vorhandene Ausrüstung in ferngesteuerte Plattformen zu verwandeln. Bei einem skalierbaren Einsatz können Versorgungsfahrten, Evakuierungen und andere Risikobewegungen auf unbemannte Fahrzeuge verlagert werden, wodurch personelle Ressourcen für Aufgaben geschont werden, die sich nicht automatisieren oder aus der Distanz steuern lassen. Da Kaban auf bereits in Dienst stehende Fahrzeuge nachrüstbar ist, kann die Ukraine ihre unbemannte Bodenflotte ausbauen, ohne auf die Großserienfertigung zweckgebundener unbemannter Fahrzeuge warten zu müssen. Kaban könnte die Roboterfähigkeit somit zu einer Option machen, die die Ukraine je nach Bedarf an bestehenden Fahrzeugen nachrüstet, anstatt unbemannte Operationen auf eine separate Flotte spezialisierter Roboterplattformen zu beschränken.


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